Aktionswoche Raum – ein Bericht

AKTIONSWOCHE 

R A U M

Bericht

 

Worum ging es uns?

 

Immer wieder sieht man, wenn man bei uns durchs Institut spaziert: Studierende sitzen am Boden in den Ecken der Stockwerke,zwängen sich auf die Klappstühle, die an die Wand montiert sind bei denen nicht einmal ein Tisch dazu gestellt werden darf. Im Foyer gibt es 5 Tische, an denen manchmal gefühlt 30 Leute sitzen. Der Gruppenraum in der Bibliothek ist manchmal Wochen im Vorhinein bereits ausreserviert und jene, die ihn benutzen, bekommen zu hören, dass sie sich zu laut unterhalten und den regulären Bibliotheksbetrieb stören.

Das Raum und Ressourcenmanagement der Universität Wien war letztes Semester bei uns und hat eine Begehung durchgeführt. Bei dieser Begehung wurden uns verschiedenste Dinge angeboten, etwa, dass man in die Ecke der Gänge, an denen die Stühle an der Wand montiert sind, Wände einziehen kann, um dort tatsächlich Räume für Gruppenarbeiten zu kreieren, damit Leute, die dort sitzen, sich auch unterhalten können, ohne die Lehre der umliegenden Seminarräume zu stören. Ebenso wurde uns gesagt, dass es bestimmt eine Möglichkeit geben würde, die Spinde im Foyer an einen anderen Ort zu bringen. Seit dieser Begehung, die unseres Empfindens nach ja doch produktive Vorschläge hatte, wurde sich nicht mehr bei uns gemeldet. Unsere E-Mails werden ignoriert. Es wurde wohl darauf gehofft, dass wir über die Sommerferien selbst das Interesse an dieser Thematik verlieren werden. Dem ist aber nicht so!

 

Um mehr Raum für Studierende zu schaffen, haben wir also eine Woche lang die Beratungseinheit im 2. Stock gemietet und den Raum als Aufenthaltsraum zur Verfügung gestellt. Er konnte von 09:00 bis 20:00 Uhr jeden Tag für Lerngruppen, Diskussionen und zum Pause machen genutzt werden. Für ein bisschen Programm haben verschiedene Workshops gesorgt, die wir an das Thema angelehnt organisiert haben. An dieser Stelle bedanken wir uns ganz herzlich an die Vortragenden, Johanna Klär, das Kollektiv Radix, Jan Niggemann und Die Seebrücke Wien.

 

Was haben wir herausgefunden?

 

Wir sind nicht alleine! Durch die Vernetzung mit anderen Institutsgruppen und Studierendenvertretungen wurde sehr deutlich: Allen geht es ähnlich. Wir haben die Erfahrungen von anderen Mitstudierenden gesammelt und wollen diese hier kurz vorstellen:

Erfahrungen der anderen STVs

 

Anglizistik und Amerikanistik:

Vor zwei Jahren musste der Aufenthaltsraum aufgegeben werden. Nun gibt es nur mehr Stühle vor den Seminarräumen, auf diesen darf man aber nicht zu laut sein, da man sonst den Seminarbetrieb stört.

 

Europäische Ethnographie:

Der ehemalige Aufenthaltsraum, der 15 qm hatte wurde auf 10 qm reduziert. Es gibt keinen Platz für Gruppenarbeiten.

 

Chemie:

Während der derzeitigen Umbauarbeiten sind zwei Studierendenzentren nicht mehr zugänglich. Jedoch ist noch ungewiss, ob sie nach diesen weiterhin Räume für Studierende sind oder Büros werden.

 

Die Beratungseinheit wurde von Studierenden sehr gerne genutzt. Manchmal liefen parallel drei Gruppenarbeitstreffen statt, was wir sehr spannend und toll gefunden haben. Was sich hier ganz klar gezeigt hat, ist, dass sich Studierende gerne in einen Austausch miteinander begeben möchten. Dadurch, dass man einen gemeinsamen Raum teilt, kommt man ins Gespräch. Wenn die eine Gruppe eine Arbeit zur qualitativen Interviewanalyse bearbeitet und gerade nicht weiter kommt, kann von anderen Personen Hilfe angeboten werden, die gerade hier sind. Genau solche Dinge sind nämlich passiert. Leute haben Fragen und stellen sie in den Raum, sie werden aufgegriffen und diskutiert. Lernen wird so zu einem gemeinsamen Erlebnis. Hier wurde auch eines ganz deutlich: Unsere Lehre ist eine, die ausgerichtet ist auf Diskussion und Austausch und doch stellt sie die Räume dazu nicht zur Verfügung.

 

 

Was wollen wir?

 

-am Institut

 

Natürlich kann unser Institut nicht wachsen, egal wie sehr wie es auch gießen. Es ist nicht unsere Absicht, Räume zu verlangen, die schon jemandem gehören. Wir wollen niemandem etwas wegnehmen!

Wir möchten gerne, dass alle am gleichen Strang ziehen und wollen zu verstehen geben, dass Studierenden hier tatsächlich nur 115 Sitzplätze zur Verfügung stehen,inklusive der Bibliothek. Das dieses bei drei Studiengängen und insgesamt rund 4 000 Studierenden nicht viel ist, muss, glauben wir, nicht extra betont werden.

Noch dazu kommt, dass viele Studierende anderer Studienrichtungen zu uns kommen um in der Bibliothek zu lernen. Das wollen wir auch nicht unterbinden, denn eine Bibliothek soll für alle sein, aber, dass man in unserem kleinen Institut mit den wenigen Sitzplätzen ständig Studierende Arbeitsrecht oder Organische Chemie lernen sieht, deutet auf ein großes Problem hin, nicht nur an unserem Institut, sondern der ganzen Universität Wien. Dieses ist natürlich nicht bei uns am Institut zu lösen.

Was wir an unserem Institut wollen, ist das Foyer. Wir wollen, dass die Spinde vom Foyer an einen anderen Ort wandern und wir das Foyer als Aufenthaltsraum für Studierende benutzen können. Wir wollen dort einen Ort kreieren für Synergien und Austausch. Das würde unter anderem funktionieren, indem man einige oder alle Arbeitsplätze der Bibliothek auslagern würde in einen anderen Raum, nämlich in ein tatsächliches Büro, so wie es eigentlich geplant war. Wie es der Zufall will, ist im Erdgeschoss ein Büro mit zwei Arbeitsplätzen frei. Das Problem? (muss genau abgeklärt werden, was tatsächlich das Problem ist)

Ebenso wollen wir, wie das Raum und Ressourcenmanagement uns eigentlich zugesagt hatte, die Nischen in den Gängen mit Wänden zu versehen, um dort Aufenthaltsbereiche zu schaffen und dort Tische aufzustellen, damit man auch tatsächlich arbeiten kann.

Das Foyer komplett als Aufenthaltsbereich zur Verfügung zu stellen und oben die Sessel an der Wand mit einem Tischbereich auszustatten, ist natürlich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, daher wollen wir nicht nur an unserem Institut für Veränderungen sorgen.